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Historisches
Die Geschichte der SPD Schweinfurt Das Jahr 1863 ist das Geburtsjahr der deutschen Sozialdemokratie. Auch in Schweinfurt sammelten sich die Sozialdemokraten um den Schuhmacher Friedrich Rätzer. Gegründet um “eine wahrhaftige Beseitigung der Klassengegensätze...auf friedlichem und legalem Weg” herbeizuführen, erregt die junge Partei die Furcht der Privilegierten. 1878 wird die Sozialdemokratische Partei Deutschlands durch die konservative Reichstagsmehrheit mit einem Gesetz “gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie” verboten. Das Verbot hatte keinen Erfolg: Das Streben nach Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität ließ sich nicht unterdrücken. 1889 gründet der erst 22 Jahre alte Josef Säckler in Schweinfurt einen “Wahlverein zur Erzielung volkstümlicher Wahlen” – Tarnbezeichnung für die verbotene Sozialdemokratische Partei und Geburtsstunde der SPD in Schweinfurt. Erfolgreiche Jahre des Aufbaus folgten. 1908 ziehen erstmals Sozialdemokraten ins Rathaus ein, 1912 wird die SPD erstmals stärkste Partei in Schweinfurt. Nach der Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts 1918 wird Dr. Benno Merkle 1920 als erster Sozialdemokrat Oberbürgermeister der Stadt. Im gleichen Jahr wird Fritz Soldmann, der Vorsitzende des “Arbeiter- und Soldatenrates Schweinfurt”, Abgeordneter im Reichstag in Berlin. In den Zwanziger Jahren etablierte sich die SPD als führende politische Kraft in Schweinfurt. Über 20 Vereine in den Bereichen Sport, Kultur oder Weiterbildung bekannten sich zur Arbeiterbewegung. 1924 erfolgte gemeinsam mit Liberalen und bürgerlichen Demokraten die Gründung des “Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold”, Vorläufer der demokratischen “Eisernen Front”, als Antwort auf beginnende Nazi-Übergriffe. Obwohl die verbrecherischen Nazis auch in Schweinfurt erstarken und 1929 erstmals in den Stadtrat einziehen, können sie trotz aller Gewalt, Hetze und Verleumdung keine Mehrheit erzielen. 1930 bekämpfen OB Dr. Merkle und die sozialdemokratische Stadtratsmehrheit mit einem Drittel der städtischen Einnahmen die Massenarbeitslosigkeit, mehr als jede andere Stadt in Bayern. 1931 findet der Antifaschistentag der SPD mit Tausenden von Teilnehmern in Schweinfurt statt, 1932 wird der Nazi-”Führer” Hitler in Schweinfurt ausgepfiffen. Im Januar 1933 wird Adolf Hitler Reichskanzler. In Schweinfurt kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Sozialdemokraten. Im Februar richtet die “Eiserne Front” eine Großkundgebung gegen den braunen Nazi-Terror aus, die Losung ist “Schweinfurt bleibt rot”. Im März 1933 beschließen die Nazis mit den Stimmen von Konservativen und Liberalen das sogenannte “Ermächtigungsgesetz”. Die erste deutsche Demokratie wird von 444 Abgeordneten beseitigt. Alle sozialdemokratischen Abgeordneten stimmen dagegen – als einzige. In der letzten freien Rede sagt der SPD-Vorsitzende Otto Wels “Freiheit und Leben könnt ihr uns nehmen, die Ehre nicht". Die Rede war prophetisch. Die SPD wird verboten, ihre Funktionsträger werden verfolgt. Durch Schweinfurt läuft eine Verhaftungswelle, der Dr. Merkle und der Reichstagsabgeordnete Soldmann ebenso zum Opfer fallen wie der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat Groha und viele andere. Dr. Merkle wird deportiert, Groha stirbt 1941 auf der Flucht nach Frankreich, Soldmann 1945 an den Folgen langjähriger KZ-Haft. Am 26. November 1945 wird die SPD in Schweinfurt als erste Partei wieder zugelassen. Wiedergründer sind unter anderen der spätere Landtagsabgeordnete Oskar Soldmann und der spätere Oberbürgermeister Georg Wichtermann. Mit der ersten OB-Wahl nach dem Krieg wird der Sozialdemokrat Dr. Ignaz Schön Oberbürgermeister. Die historische Leistung der Nachkriegssozialdemokratie war es, die Verpflichtung gegenüber der gemeinsamen Aufgabe des Allgemeinwohles höher zu stellen als die berechtigte Verbitterung gegenüber alten Nazis und ihren Mitläufern. Diese Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben Wunden geschlossen, die andere geschlagen hatten. 1956 wird Georg Wichtermann Oberbürgermeister. Mit dem “Baumeister des modernen Schweinfurt” ist nicht nur der Neubau zahlreicher neuer Stadtviertel, Schulen, Sportstätten und der Fachhochschule verknüpft, auch der Bau des Theaters und der Sprung über den Main, die Ansiedlung neuer Industrie- und Gewerbegebiete im neuen Hafen fallen in seine Zeit. Ein dynamischer Oberbürgermeister und eine starke SPD-Fraktion im Stadtrat wurden so zu Garanten einer modernen Politik in einer modernen Stadt. Vierter sozialdemokratischer Oberbürgermeister wird 1974 Kurt Petzold. Mit ihm gelingt die Umstrukturierung des Industriestandortes. Im Rahmen der Gebietsreform erkämpft sich die Stadt im Maintal wertvollen Gebietszuwachs – den ersten seit den Zeiten der Freien Reichsstadt. Mit Verkehrsberuhigung, Schaffung von Fußgängerzonen und Sanierung überalterter Quartiere zieht neues Leben in die Innenstadt ein; gleichzeitig wachsen mit Deutschhof und Eselshöhe vorbildliche neue Wohngebiete. Die Städtischen Sammlungen erhalten angemessene Räume und entfalten einen regen Ausstellungsbetrieb. Volkshochschule und Musikschule nehmen landesweit Spitzenpositionen ein. Gleichzeitig wird die “Kultur von unten” nachhaltig gefördert. Der Einsatz Kurt Petzolds für die Städtepartnerschaften findet 1980 Anerkennung: Schweinfurt wird Europastadt. Die SPD Schweinfurt ist in fünf Ortsvereine gegliedert: Bergl-Oberndorf, Deutschhof-Hochfeld, Gartenstadt-Theuerbrünnlein-Eselshöhe, Mitte (Zentrum und Gründerzeitviertel), West (Musikerviertel, Schelmsrasen und am Hainig). Die Ortsvereinsgliederung nützt der Bürgernähe der SPD. Die vielfältigen Aktivitäten der überschaubaren Ortsvereine erlauben den Bürgerinnen und Bürgern beinahe täglich, mit und in der SPD über die Zukunft ihrer Stadt zu sprechen. Ziele: Politik transparent sein zu lassen und möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Bau der Zukunft in Schweinfurt teilhaben zu lassen, ist das Ziel der SPD. Mit der Verjüngung des Vorstandes 1996 wurden hierfür entscheidende Weichen gestellt. Zielgruppenbezogene Arbeitsgemeinschaften (Arbeitnehmer, Frauen, Selbstständige, junge Erwachsene, Senioren) heißen auch Nichtmitglieder willkommen. Ebenso wurde die Sozialdemokratische Partei in Schweinfurt erfolgreich durch Projektgruppen geöffnet, in denen bestimmte Schwerpunktthemen (z.B. zu Stadtratswahlen) von SPD-Mitgliedern und Nichtmitgliedern gemeinsam diskutiert und in politische Vorlagen umgesetzt werden. So kann in bester Schweinfurter Tradition interner und externer Sachverstand gebündelt werden, pragmatische Lösungen werden erarbeitet und wir schaffen in unserer Stadt eine aktive Bürgergesellschaft.
Sie sind zum Mitmachen eingeladen.
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